Am Donnerstag Abend rief mich der Ralfi an und sagte “morgen frueh um 7 sind wir dann bei dir” – mooment, davon wusste ich ja gar nichts. Hinter diesem Scherz versteckte sich tatsaechlich eine Einladung, in weniger als 12 Stunden mit nach Fresenhagen in der Naehe von Flensburg zu fahren.
Das war ‘ne Sache von 2 Minuten und ich war dabei. Und am naechsten Morgen um 7 fuhren Ralf, Nicole, Jessica, linse und 2 kleine Hunde in Richtung Norden zum Rio-Reiser-Haus. Da findet jedes Jahr ein Festival anlaesslich Rio Reisers Todestag statt, und wir fuhren als Helfer mit. Das erste Mal war ich nach dem Abi 2001 dort gewesen.
Genau wie damals hoerten wir sechs bis sieben Stunden spaeter, als wir in Fresenhagen in die Strasse einbogen, das Lied “Land in Sicht”. Ein bisschen wie nach Hause kommen. ![]()
Wir wurden auch direkt freundlich begruesst und wenig spaeter gab es ein kurzes Einfuehrungstreffen fuer uns insgesamt ungefaehr 20 Helferinnen und Helfer.
Ich hatte mit Jessica und Olli Bierwagen- und Klopapier-Dienst, wobei ich noch nie in einer Kneipe gearbeitet oder gezapft habe und schon sehr gespannt war. Erstmal haben wir noch ein bisschen Gemuese geschnitten, fuer die Gemuesepfannen-Gaeng, in der Nicole mitmachte. Und dann waren wir auf dem Dachboden, um Klopapier zu suchen. Das war ja schon spannend, da oben waren jede Menge alte Plakate von Ton Steine Scherben, und komische Dinge wie z.B. riesige Mengen Verkehrspolizisten-Kellen und Lochzangen. Und eine voll ausgestattete Werkstatt. Na ja, das Klopapier war auch da und eine Menge Spinnweben.
Gemuesepfanne, Imbissbude und Bierwagen wurden vor “Winnetous Garagen” (vielleicht bekannt aus dem Lied “Sumpf Schlock”) aufgebaut und wir fanden auf dem Dachboden auch noch Beleuchtung fuer die Buden.
Um sieben haben wir dann den Bierwagen aufgemacht und um acht begann das Konzert. Heute, am Freitag, spielten die wilden 13, Lembek, Boutique Rouge und Werner Bettge. Ich lernte Bierzapfen und abrechnen und das ist ja echt mal ein lustiger Job wo man sieht was man erreicht hat
im Gegensatz zum Programmieren, wo man sich alles vorstellen muss. Zwischendurch noch mal Klopapier Nachgelegt auf den Dixis, und mal in den Konzertraum geschaut, aber hauptsaechlich waren wir auf dem Wagen beschaeftigt.
Na ja, so gegen 2 gings dann ins Bett, und ich merkte dann auch, dass ich bei dieser Arbeit doch ganz schoen herumgerannt war und koerperlich gearbeitet hatte und konnte super schlafen im “Sternchen”-Zimmer.
Am naechsten morgen gab es ein richtig leckeres Fruehstueck mit Ei und Broetchen und Orangensaft.
Zwischendurch spielte ich eine Art Tetris als Brettspiel, das kann ich echt empfehlen. Dieser Tag stand eher im Zeichen der etwas anderen Auffuehrungen. Zuerst gab es eine Auffuehrung des Kinderzirkus Spontani. Dann folgte ein Akustik-Konzert der Torsten-Breitkopf-Combo, wobei mir diese drei seltsam bekannt vorkamen und ich spaeter im Gespraech herausfand, dass sie aus Bielefeld sind. ![]()
Spaeter gab es eine Lesung mit Hartmut Rexin aus dem Buch „Herr Fresssack und die Bremer Stadtmusikanten“ im fuer mich noch neuen Fresenhagen-Museum. Es handelt sich hierbei um ein Projekt mit Rio Reiser, ein Kinderbuch mit CD, was durch seine Botschaft und den besonderen Humor nicht nur den anwesenden Kindern gefallen hat. Die Lesung war fuer mich eines der Highlights dieses Wochenendes.
Aber es wurde noch besser, denn um 20 Uhr fuehrte die Gruppe Rios Raben eine Revue ueber das Leben von Rio auf. Bis dahin hatten wir den Bierwagen geoeffnet und schon eine grosse Runde verkauft, so dass ich die Revue zum groessten Teil mit ansehen konnte. Es gab 2 Schauspieler, die die verschiedenen Seiten von Rio darstellten, abwechselnd in Liedern und gespielten und gesprochenen Passagen. Dazu gab es eine ziemlich professionelle Show, mal schaukelte Rio waehrend eines Songs im Bohemien-Style im Kronleuchter hoch ueber der Buehne herum, mal sass er wie der “Mann im Junimond”, und in einer grossartigen Szene zu dem Song “Geld” traten beide Rios mit Smoking und Zylinder auf und sammelten Geld aus dem Publikum um es anschliessend zu verbrennen. ![]()
In den Pausen ging es wieder auf den Wagen, auch waehrend spaeter noch die Band ZeitZeuge spielte. Dann machten wir den Wagen zu und alle Helfer trafen sich mit dem uebriggebliebenen Publikum in der Disco in Winnetous Garagen. Das war fein, wie hier Hippies und Punks und Rocker und normale, alte und junge, arme und reiche nebeneinander tanzten. Hauptsachlich kam so Rock- und Hippiemusik wie z.B. Led Zeppelin, Black Sabbath, Lowrider von War, usw und natuerlich Rio und Scherben. Nicole und ich wuenschten uns ein bisschen Elektro, und da gingen alle genauso drauf ab – eine feine Sache, mit Leuten zu tanzen, deren Leben sich um Musik dreht.
Nach einer kurzen Nacht, wieder einem leckeren Fruehstueck und einer langen Verabschiedungsserie traten wir dann am Sonntag unseren ja doch recht langen Heimweg an. Immer wieder toll, was man in Fresenhagen fuer Menschen kennen lernt und Geschichten hoert. Auf der Rueckfahrt wurde ich dann noch des schwarzpinkelns ueberfuehrt, weil ich durch das Kinderloch an der Raststaettentoilette geklettert war. Und zu Hause versteckten meine 3 Mitfahrer in der gesamten Kueche Kartoffeln, die ich auch jetzt noch, 4 Tage spaeter, ab und zu irgendwo finde.






















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